Sicherheit

Ein Jahr Stadionallianzen in Baden-Württemberg

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Ein Polizeifahrzeug steht vor dem Stadion des SC Freiburg (Bild: © dpa).

Durch die bundesweit bislang einzigartigen Stadionallianzen im Land konnten neue Impulse innerhalb der Zusammenarbeit aller Akteure aus den Bereichen Prävention und Sicherheit gesetzt werden. So konnten in der vergangenen Saison in den ersten fünf Ligen mehr als 3.800 Einsatzkräfte und rund 30.000 Einsatzstunden eingespart werden. Dabei sind die registrierten Strafanzeigen um elf Prozent zurückgegangen.

„Wir reden nicht nur, wir handeln! Das gilt in vielen Bereichen, und auch bei der Sicherheit im Umfeld von Fußballspielen. Wir arbeiten gemeinsam dafür: Der Besuch eines Fußballspiels ist und bleibt ein sicheres Erlebnis für Jung und Alt, für die ganze Familie. Um auch weiterhin das hohe Sicherheitsniveau bei Fußballspielen zu gewährleisten, haben wir auf lokaler Ebene unsere Stadionallianzen initiiert – bundesweit erst- und einmalig, sozusagen unser Baden-Württemberg-Weg. Diese Partnerschaft mit Leben zu füllen und etwas zu verändern, das erforderte Mut, Arbeit und einen entschlossenen Willen der beteiligten Akteure. Nach einem Jahr kann ich sagen: Es hat sich gelohnt, wir sind auf einem erfolgreichen Weg, freilich noch nicht am Ziel“, sagte Innenminister Thomas Strobl bei der Pressekonferenz zu den Stadionallianzen anlässlich des Starts der Bundesliga.

Vor gut einem Jahr wurden beim Sicherheitsgipfel in Baden-Württemberg die bundesweit bislang einzigartigen Stadionallianzen initiiert. „Nicht überall ist die Idee zunächst auf Wohlwollen gestoßen. Ich kann mich noch sehr gut an viele skeptische Blicke und kritische Aussagen erinnern“, so Innenminister Strobl. Es sei zunächst notwendig gewesen, Barrieren in den Köpfen einzureißen und die Skeptiker von dem neuen Weg zu überzeugen. „Jetzt können wir die ersten Erfolge unserer Stadionallianzen präsentieren. In der vergangenen Saison konnten wir in den ersten fünf Ligen mehr als 3.800 Einsatzkräfte und rund 30.000 Einsatzstunden einsparen. Dabei sind die registrierten Strafanzeigen um elf Prozent, von 679 auf 602, zurückgegangen. Wir konnten neue Impulse innerhalb der Zusammenarbeit aller Akteure aus den Bereichen Prävention und Sicherheit setzen. Und wir haben bewiesen, dass eine intensivere Kommunikation in vertrauensvollen Sicherheitspartnerschaften zu einer Verbesserung der Zusammenarbeit führt“, sagte Innenminister Thomas Strobl.

Förderung eines guten Miteinanders rund um die Spiele

Erste Ergebnisse und Entwicklungen an den einzelnen Standorten seien bei einer gemeinsamen Veranstaltung des Innenministeriums mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) am 26./27. Juni 2018 ausgetauscht worden. „Wir werden auch in Zukunft regelmäßig im Austausch bleiben. Wir sehen uns als Motor dieses ganzen Prozesses und fungieren als Binde-glied zwischen den verschiedenen Sicherheitsakteuren“, erläuterte der Innenminister die Rolle seines Ministeriums.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert bestätigte eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und sicherte der Initiative auch in Zukunft Unterstützung zu. „Die Idee der Stadionallianzen kann auch für andere Standorte Vorbild sein. Alle Beteiligten verfolgen gemeinsam ein großes Ziel: ein gleichbleibend hohes Sicherheitsniveau rund um Fußballspiele bei angemessenem Polizeieinsatz“, so Christian Seifert. Dass sich die Zuschauer beim Stadionbesuch sicher fühlen und eine hohe Akzeptanz für polizeiliche Einsatzmaßnahmen aufbringen, bestätigen aktuelle Studien.

„Die Stadionallianz funktioniert am Standort Stuttgart immer besser und ist für alle eine wichtige Maßnahme zur Erhöhung der Sicherheit und zur Förderung eines guten Miteinanders rund um die Spiele des VfB Stuttgart. Dazu gehört für uns auch ein ständiger konstruktiver Dialog mit allen Fangruppen. Es freut mich sehr, dass im letzten Jahr sowohl die Zahl von sicherheitsrelevanten Vorfällen deutlich zurückgegangen ist, als auch gleichzeitig die Präsenz der Polizei verringert und deren Einsatzzeiten reduziert werden konnten. Wir werden als Verein alles tun, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt“, so der Präsident des VfB Stuttgart, Wolfgang Dietrich.

Der Dialog mit den Anhängern ist naturgemäß nicht immer einfach

Frank Briel, Geschäftsführer der TSG Hoffenheim, weist darauf hin, „dass bei der TSG Hoffenheim, neben den bereits seit Jahren fest und erfolgreich etablierten Sicherheitsbesprechungen, ein zusätzlicher Netzwerkdialog mit allen involvierten Stellen wie Klub, Stadt, Polizei und Fanprojekt initiiert wurde“. Ziel dieser engen Verbindung ist es, das Rollenverständnis füreinander zu intensivieren und Transparenz für den Standort der Rhein-Neckar Arena in Sinsheim zu schaffen. „Es ist wichtig, mögliche Vorkommnisse objektiv und losgelöst vom Spieltag zu betrachten, zu diskutieren und schließlich in die Fanszene zu reflektieren“, ergänzt Briel.

„Der Dialog mit den Anhängern ist naturgemäß nicht immer einfach, aber wir gehen diesen Weg. Ich begrüße daher ausdrücklich die Initiativen beim VfB und der TSG. Die Fanprojekte sind wichtige Partner im Rahmen der Stadionallianzen. Wir gehen es an und wollen Verständnis für die Arbeit und die Bedürfnisse des anderen schaffen“, so Innenminister Thomas Strobl. Klar sei allerdings auch, dass es sich um eine Zwischenbilanz handele: Der Baden-Württemberg-Weg sei offensichtlich richtig, das Ziel freilich noch nicht erreicht. „Wir sind sozusagen in der Etappe – es kann auch Rückschläge geben“, führte Thomas Strobl aus. Und immer noch sei der polizeiliche Aufwand bei Fußballspielen sehr hoch.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um Polizeikosten bei Hoch-Risiko-Spielen machte Innenminister Thomas Strobl erneut klar, dass die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit eine hoheitliche Aufgabe ist. Eine Umlegung der Polizeikosten im Rahmen von Fußballspielen sei der falsche Ansatz. „Uns geht es um Sicherheit, nicht ums Abkassieren. Eine Pflicht für Fußballvereine oder -verbände, die Kosten der Polizeieinsätze zu zahlen, erhöht die Sicherheit bei Fußballspielen nicht und entlastet auch nicht die Polizei. Viel wichtiger ist eine intensive und partnerschaftliche Zusammenarbeit der Sicherheitsakteure – das ist der richtige Weg“, stellte Innenminister Strobl klar.

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